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Haiku - Poetischer Lakonismus - Neu im literarischen Salon des Schröder Verlages

Autor:( Wuthenow, Ralph-Rainer: )

Verlag: Wildflecken, Schröder Verlag, 2008.

Gewicht: 550 Gramm

Titel: Haiku - Poetischer Lakonismus - Neu im literarischen Salon des Schröder Verlages




Der Autor: Ralph-Rainer Wuthenow (* 24. Februar 1928 in Rendsburg) ist Literaturwissenschaftler und Professor em. am Institut für Deutsche Sprache und Literatur II der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Eine Auswahl seiner Publikationen findet sich im Anhang des Textes.Textauszug: Zur Eigentümlichkeit der japanischen Haiku-Poesie I. Gehen wir, trotz aller möglichen theoretischen Überlegungen, die sich gleichfalls vorschalten ließen, ganz einfach von der völlig anders gearteten Sprache Japans, von seiner uns befremdenden Besonderheit aus: sie ist, wie wir sagen, agglutinierend, sie lässt also in der Aufreihung ihrer Satzglieder ständig Erweiterungen zu, wobei die Affixe (das sind Silbenzusätze für das Wort als Entsprechung für Bedeutung und Flexion) zu formbildenden Elementen werden. Das angeblich verwandte Chinesisch hingegen ist isolierend, was heißt, dass die Stellung im Satzgefüge die Beziehung der Worte bestimmt. Die germanischen, die romanischen wie auch die sklavischen Sprachen bezeichnen wir als flektierend. So ist denn im Japanischen auch die Wahrnehmung, könnte man wohl sagen, anders, das Subjekt als Pronomen wird im Satzgebilde oftmals gar nicht erst sichtbar (wiewohl es sich natürlich erschließen lässt); die Grammatik sogar ist nicht selten sozial geprägt: wenn ich einem anderen etwas gebe oder er etwas erbittet, so bestimmen nicht nur spezifische Höflichkeitsformen den Ausdruck, sondern sein Verhältnis zu mir, so dass ich etwas heraufreiche oder etwas heruntergebe. In ihren reichen Möglichkeiten sind die Worte ganz anders aufgeteilt und zugeordnet als bei uns; so ändert sich das Wort für Reis entsprechend den Zuständen, in denen er sich befindet: vom Setzling bis zum rohen und schließlich gekochten Nahrungsmittel. Auch die Erfassung von Farbtönen ist reicher als bei uns, wie ja schon das Italienische hierin reicher ist als das Deutsche. Der abstrakte Wortschatz – und nicht allein er – wird durch die chinesischen Schriftzeichen, die Kanji, wiedergegeben, Namen wie Begriffe werden nicht selten durch die sino-japanische Aussprache erfasst, denn Chinesisch war in der T’ang-Zeit für das Japan der Frühzeit von Nara die Amtssprache, also auch die gültige Schrift für ein ganz anders geartetes Idiom (To-kyo- zum Beispiel wäre nach eigentlich japanischer Ausdrucksweise Higashi no miyako-).








 

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